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Über die La Leche League (LLL)
Das Handbuch für die stillende Mutter, 2001


Die La Leche League begann mit einem Traum: Alle Frauen, die dies möchten, sollen ihre Babys stillen können! Sieben Frauen träumten diesen Traum gemeinsam. Sie alle mussten eine Reihe von Schwierigkeiten überwinden, bevor sie gelernt hatten, entspannt und mit Selbstvertrauen ihre Kinder zu stillen. Jede von ihnen kannte viele Frauen, die es nicht geschafft hatten, weil niemand da war, der die richtigen Informationen und Unterstützung geben konnte. Um ihre Vision zu verwirklichen, gründeten diese sieben Frauen die La Leche League.

Wie es begann
Es war bei einem Picknick ihrer Kirchengemeinde, als Mary White und Marian Tompson beschlossen, es müsse doch einen Weg geben, ihren Freundinnen, die bisher beim Stillen nur Fehlschläge erlitten hatten, zu helfen. Mit ihren eigenen gestillten Babys in den Armen, diskutierten sie an diesem Sommernachmittag im Jahre 1956 darüber, wie dies zu bewerkstelligen sei.
In den folgenden Wochen sprach Mary mit ihrer Schwägerin Mary Ann Kerwin und mit Mary Ann Cahill, die die Idee wiederum Betty Wagner gegenüber erwähnte. Marian nahm Kontakt mit Edwina Froehlich auf, die ihrerseits ihre Freundin Viola Lennon anrief. Alle Frauen hatte ein oder mehrere Kinder gestillt. Sie hatten noch keine genauen Pläne, aber sie waren bereit, einen Versuch zu wagen. Zwei Ärzte, Dr. Herbert Ratner und Dr. Gregory White gaben ihnen Informationen über die medizinischen Aspekte des Stillens. Mit diesem Hintergrund und voll Begeisterung für das Stillen luden sie ihre schwangeren Freundinnen an einem Abend im Herbst 1956 zu einem Treffen bei Mary White ein. Was sie den interessierten Müttern aus ihrer Nachbarschaft damals anboten, ist das gleiche, was die 32 000 LLL-Stillberaterinnen, die ihrem Beispiel folgten, auch heute noch anbieten: Gesicherte Informationen, Ermutigung und Unterstützung auf einer persönlicher Ebene. Dies ist in all den Jahren die Grundlage der Organisation geblieben, die mittlerweile über 3 000 Stillgruppen in 66 Ländern betreut. Heute gilt die La Leche League als die international anerkannte Autorität auf dem Gebiet des Stillens und wird von Müttern, Vätern, medizinischen Fachleuten und Laktationsberaterinnen wegen ihres Stillwissens kontaktiert. Die La Leche League International hat eine beratende Stimme bei der UNICEF und der WHO und ist Gründungsmitglied der WABA (World Alliance for Breastfeeding Action). Die jährlich in Nordamerika von der La Leche League durchgeführten Seminare für Ärzte und Ärztinnen sind von renommierten ärztlichen Fachgesellschaften anerkannt und werden von medizinischen Fachleuten aus der ganzen Welt besucht. Zweimal jährlich finden Workshops für Laktationsspezialistinnen statt, die als wichtige Weiterbildung gelten.


Was La Leche League bieten kann
In all den Jahren seit ihrer Gründung hat die LLL Hunderttausenden von Müttern dabei geholfen, ihre Kinder zu stillen. LLL-Stillberaterinnen auf der ganzen Welt sind stolz darauf, mit ihrer Arbeit das Band zwischen Eltern und Kind, dessen Wirkung weit über die Kindheit hinausreicht, zu stärken. Ausserdem stärkt die LLL das Wissen rund ums Stillen – damit Stillen wieder die natürlichste Sache auf der ganzen Welt wird.

Die Grundsätze/Philosophie der La Leche League
1.      Mütterliche Zuwendung durch das Stillen ist die natürlichste und wirkungsvollste Art, die Bedürfnisse eines Babys zu verstehen und zufriedenzustellen.
2.      Mutter und Kind müssen frühzeitig und oft zusammen sein, damit eine zufriedene Beziehung entsteht und ein ausreichendes Milchangebot gewährleistet ist.
3.      In der frühen Kindheit hat das Baby ein intensives Bedürfnis mit seiner Mutter zusammen zu sein. Dies ist ebenso grundlegend wie sein Bedürfnis nach Nahrung.
4.      Muttermilch ist die optimale Nahrung für ein Baby.
5.      Für das gesunde, voll ausgetragene Kind ist Muttermilch die einzig erforderliche Nahrung bis das Kind Anzeichen gibt, dass es feste Nahrung braucht - etwa in der Mitte des ersten Lebensjahres.
6.      Im Idealfall wird die Stillbeziehung weitergeführt bis das Kind ihr entwachsen ist.
7.      Bewusste und aktive Beteiligung der Mutter an der Geburt ist die beste Grundlage für den Beginn des Stillens.
8.      Die Beziehung des Vaters zu seinem Kind ist einzigartig und von Geburt an wichtig für die Entwicklung des Kindes. Durch seine liebevolle Fürsorge und Hilfe erhalten Mutter und Kind den für das Stillen notwendigen Rückhalt.
9.      Gute Ernährung bedeutet ausgewogene, verschiedene Arten von Nahrungsmitteln in möglichst natürlichem Zustand zu essen.
10.  Von früher Kindheit an brauchen Kinder liebevolle Führung, die ihre Fähigkeiten akzeptiert und Sensibilität gegenüber ihren Gefühlen ausdrückt.

 

Die Organisation
Bei Organisationsgründung war es in den USA nicht erlaubt das Wort 'Brust' (Stillen heisst englisch 'Breastfeeding') öffentlich zu zeigen oder zu schreiben. Es musste ein alternativer Name für die entstehende Organisations gefunden werden. Der Name „La Leche“ ist spanisch, wird „letsche“ ausgesprochen und bedeutet „die Milch“. Er leitet sich vom spanischen „Nuestra Senora de la Leche y Buen Parto“ ab, einer gleichnamigen Kapelle in St. Augustine, Florida. Übersetzt bedeutet dies „unsere liebe Frau der glücklichen Geburt und reichlichen Milch“. Das internationale Büro in Schaumburg, Illinois, USA beschäftigt 50 Angestellte, die jährlich Tausende von Briefen und unzählige Telefonanrufe beantworten. Es gibt Tochtergesellschaften in Kanada, Grossbritannien, Neuseeland, Deutschland und in der Schweiz. Die La Leche League ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation und 'lebt' ausschliesslich von Spenden, Mitgliedschaften und dem Verkauf von Artikeln, die für Eltern und Kinder nützlich sind. Auf Grund dieser Struktur leistet die LLL einen nicht zu unterschätzenden Beitrag an das weltweite Gesundheitswesen.

Professionelle Unterstützung
Die LLL verfügt über einen medizinischen Beirat, der sich aus Ärzten/Ärztinnen und anderen Fachleuten aus dem Gesundheitswesen aus der ganzen Welt zusammensetzt. Dieser Beirat wird zur Abklärung von medizinischen Situationen und zur Begutachtung von Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit dem Stillen beigezogen. Alle Publikationen der LLL, die medizinische Informationen enthalten, werden ebenfalls durch Mitglieder des Beirates geprüft. Ein Beirat für Rechtsfragen und ein weiterer für Managementfragen stehen ebenfalls zur Verfügung.

Publikationen
Vom Grundlagenwerk der LLL, dem „Handbuch für die stillende Mutter“ wurden bis jetzt schon mehr als 2,5 Millionen Exemplare verkauft. Es ist in neun Sprachen erhältlich, auf Tonband und in englischer Sprache auch in Braille-Schrift. Weitere LLLI-Publikationen gibt es in 27 Sprachen. Die LLLI verfügt über die meisten zusammengetragenen Still-Informationen in der ganzen Welt. Bisher hat sie 25 Bücher und 80 Informationsblätter oder Informationsbroschüren herausgegeben. Für Publikationen in deutscher Sprache und den Katalog der LLL Schweiz mit weiteren Artikeln beachten Sie den Anhang.

Konferenzen
Regelmässig werden internationale und regionale Konferenzen für Eltern und Fachleute im Gesundheitswesen durchgeführt. Dabei geht es um die Geburt, das Stillen, die Pflege, Ernährung, Erziehung und weitere verwandte Themen. Referentinnen und Referenten mit reicher Erfahrung bieten den Teilnehmenden eine wertvolle Weiterbildung. Die Mitgliedschaft Als LLL-Mitglied haben Sie die Befriedigung, Teil eines weltweiten Netzes von Müttern mit Stillerfahrung zu sein, die ihr Wissen teilen und einander ihre Unterstützung und Ermutigung schenken. Wenn Sie Mitglied werden, unterstützen Sie damit die Beraterinnen Ihrer Region, die ehrenamtlich arbeiten und helfen der LLL dabei, ihre über 40-jährige Tätigkeit weiterzuführen.

Die Stilltreffen der LLL
LLL-Gruppen treffen sich monatlich zu zwanglosem Informations- und Erfahrungsaustausch. Meistens findet dieser bei einem Mitglied zu Hause oder an einem anderen leicht zugänglichen Treffpunkt statt. Die Themen wiederholen sich nach einem vorgegebenen Plan und decken die wichtigsten praktischen, körperlichen und psychologischen Aspekte der Stillzeit ab. Die beteiligten Eltern können ihre eigenen Fragen und Probleme diskutieren und bekommen von den andern Teilnehmenden wichtige Vorschläge und Anregungen. Andere Mütter und Babys zu beobachten und zu erleben, wie verschieden diese sind, ist für jede Mutter hilfreich. Die LLL-Treffen sind oft auch Ausgangspunkt für bleibende Freundschaften unter Müttern. Die leitenden Stillberaterinnen sind Mütter mit eigener Stillerfahrung, die von der LLL ausgebildet wurden und sich für ihre Tätigkeit ständig weiterbilden.

Wie finden Sie die La Leche League in Ihrer Umgebung?
Mit mehr als 3 000 Stillgruppen in der ganzen Welt ist die Chance gross, dass auch in ihrer Nähe monatliche Treffen stattfinden. Im Anhang finden Sie die Adressen, bei denen Sie sich erkundigen können.

Möchten Sie LLL-Stillberaterin werden?
Vielleicht gibt es in Ihrer Gegend keine LLL-Gruppe und dieses Buch war deshalb während der Stillzeit Ihre einzige Informationsquelle. Wenn die Monate verstreichen und Ihr Baby mit Ihrer Milch sichtlich gut wächst und gedeiht, werden sich wahrscheinlich andere Mütter mit Fragen rund ums Stillen an Sie wenden. Bei vielen LLL-Stillberaterinnen hat es so angefangen. Wenn Sie gerne mit anderen Müttern in Kontakt sind und Ihre Erfahrungen weitergeben möchten, erkundigen Sie sich doch bei der LLL Ihres Landes (Adresse siehe Anhang), wie Sie selbst LLL-Stillberaterin werden und eine Stillgruppe gründen können. Die LLL braucht Mütter wie Sie, die dieses Buch gelesen, seine Ratschläge befolgt und glücklich ihre Kinder gestillt haben. Wenn Sie eine LLL-Gruppe besuchen, können Sie sich auch dort über die Ausbildung zur LLL-Stillberaterin erkundigen.


Über dieses Buch und seine ersten Autorinnen
Als die sieben Gründerinnen der LLL in den fünfziger Jahren die erste Ausgabe des „Handbuchs für die stillende Mutter“ verfassten, waren sie alle hauptberuflich Mütter und Hausfrauen. Dem Schreiben widmeten sie die Zeit, die nach ihren vielfältigen Aufgaben in der Familie noch übrigblieb. Meistens diente der Esstisch zugleich als Schreibtisch und zu den Essenszeiten mussten hastig noch die letzten Manuskriptseiten eingesammelt werden.
Die sieben Frauen waren übereingekommen, dass ihre Familien Vorrang vor anderen Interessen haben müssten. Dadurch fühlten sie sich frei, die Arbeit für die LLL aufzuschieben, wenn sie von der Familie gebraucht wurden. Mit dem Älterwerden der Kinder gab es mehr freie Zeit für die immer
grösser werdende Organisation. Nach wie vor sind die Gründerinnen, die unterdessen schon längst Enkel und sogar einige Urenkel haben, mehr oder weniger aktiv in der LLL tätig. Sieben ganz verschiedene Frauen, mit einem Altersunterschied bis zu 16 Jahren – was sie vereint, ist die Überzeugung, wie wichtig liebevolle mütterliche Zuwendung und das Stillen für Kinder ist.

Mary Ann Cahill wurde durch ein revolutionäres Buch (G. Dick-Read: „Mutterwerden ohne
Schmerz“) von der Richtigkeit der natürlichen Geburt überzeugt. Allerdings konnte sie erst mit
der Unterstützung des „radikalen Dr. White“ ihre weiteren Babys ohne Medikamente gebären und
stillen. Sie war dann wesentlich daran beteiligt, Still-Informationen zu sammeln und auszuwerten.

Edwina Froehlich Als so genannte Spätgebärende hatte sie allen Warnungen zum Trotz genug Milch, um alle ihre Kinder zu stillen. Die Umstellung als Karrierefrau der fünfziger Jahre auf die Mutterschaft war hart. Umso überzeugter war sie danach, die unregelmässigen Bedürfnisse ihrer Babys zu akzeptieren.

Mary Ann Kerwin Völlig unerfahren was die Babybetreuung angeht, machte ihr ein schläfriges Baby 1955 den Stillbeginn schwer. Dank der Unterstützung ihres Schwagers Dr. G. White und dessen Frau Mary gelang es dennoch. Bei ihrem ersten Kind war die Erfahrung des Abstillens sehr unangenehm. Sie zog daraus die Lehre, alle folgenden Kinder sich selbst abstillen zu lassen.

Viola Lennon erregte Aufsehen, als es ihr gelang, ihre Zwillinge voll zu stillen. Die Mädchen waren
sehr verschieden, eines aufgeweckt, das andere schläfrig, wodurch sie ganz unterschiedliche
Zeitrhythmen entwickelten. Viola setzte sich sehr für die Beschaffung von Geldern ein, um die sich
ausbreitende Arbeit der LLL zu sichern.

Marian Tompson Der damals übliche Vier-Stunden-Rhythmus und die Gewohnheit, mit sechs Wochen zuzufüttern, hinterliessen bei ihr ungute Gefühle. Schliesslich stillte sie ihr viertes Kind so lange, bis es selbst nach anderer Nahrung verlangte. Dr. White unterstützte sie dabei sehr. 28 Jahre lang setzte sie sich als Präsidentin der LLL in vielen Teilen der Welt deutlich und liebevoll für stillende
Mütter und ihre Babys ein.

Betty Wagner Schon ihr erstes Kind (1943) hat sie erfolgreich gestillt, wobei sie von ihrer Mutter praktische Hilfe bekam. Betty lernte durch ihr besonders liebebedürftiges Kind eine „tragende“ Mutter zu sein. Durch die intensive Nähe entwickelte sich Dorothea zu einem selbstbewussten Mädchen.
Als Geschäftsführerin der LLL war sie lange für den Ablauf der täglichen Geschäfte im LLL-Büro verantwortlich. Ihre Tochter war die erste der Gründerinnen-Töchter, die selbst LLL-Stillberaterin wurde.

Mary White erlebte eine katastrophale erste Stillzeit. Sie erfuhr dann bei ihrem zweiten Kind, wie wichtig die Unterstützung der Umgebung für das Stillen ist. Ihr Ehemann, Dr. G. White, setzte sich mit seinem ganzen Wissen für die später entstehende LLL ein. Er und Mary widmeten der LLL unzählige Stunden.


Was La Leche League bewirkt hat
In den letzten Jahrzehnten hat sich auf den Säuglings- und Wochenbettstationen der Krankenhäuser sehr vieles geändert – manches davon dank dem Einfluss der LLL. Früher wurden Mütter und Neugeborene nach der Geburt routinemässig bis zu 24 Stunden getrennt. Die LLL war dagegen, denn Babys brauchen ihre Mütter, und auch den Müttern kommt es zugute, wenn sie sobald als möglich stillen können, damit der Aufbau der Bindung zum Kind nicht unnötig gestört wird. Heute können Mütter normalerweise ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt halten und stillen. Was vor 40 Jahren undenkbar war, ist heute allgemein üblich, und dazu hat die LLL viel beigetragen. Auch nach der Neugeborenenperiode hat sich die übliche Praxis sehr verändert. Vor 40 Jahren wurde zum Beispiel noch empfohlen, Säuglinge schon ab einem bis drei Monaten Beikost zuzufüttern. Die medizinische Forschung und ihre Erfahrungen, dass bei allzu frühem Zufüttern die Milchproduktion zurückgeht, bewogen die Gründerinnen der LLL dazu, anderes zu raten: Beikost sollte möglichst nicht vor dem vierten Monat, besser erst mit sechs Monaten, eingeführt werden. Heute wird auch diese Empfehlung von Kinderärzten unterstützt. In den Vierziger- und Fünfzigerjahren galt die Meinung, dass die Mütter sich von so genannten „Experten“ darüber belehren lassen müssten, wie sie ihre Kinder aufziehen sollten. Die durchschnittliche Mutter hatte kein Vertrauen mehr in ihre eigenen Instinkte und Fähigkeiten. Zu dieser Zeit, als vorwiegend männliche Experten dieses Feld beherrschten, machten sich sieben Frauen auf, die Kinder ihren Müttern zurückzugeben. Schon bevor Selbsthilfegruppen modern wurden, hat die LLL deren Bedeutung für Mütter erkannt und ihnen damit die Kontrolle und Verantwortung für Belange der gesundheitlichen Vorsorge im familiären Bereich zurückgegeben. In den Anfängen kamen Frauen mit grundlegenden Fragen: Wie kann ich wissen, dass mein Kind genug Milch bekommt? Wie merke ich, ob es Hunger hat? Wann wird mein Kind durchschlafen? Auch heute suchen Frauen in den Stillgruppen Antworten auf Fragen, Bestätigung und die Unterstützung von Mutter zu Mutter, die das Markenzeichen der LLL ist. Noch immer geben Mütter als Hauptgrund für frühes Abstillen an, dass sie (vermeintlich) zu wenig Milch hätten. Seit 1956 ist die LLL zu einer internationalen Organisation geworden, die weltweit als Autorität auf dem Gebiet des Stillens gilt und Einfluss an wichtigen Stellen hat. Es gibt heute mehr als 3 000 Stillgruppen in 66 Ländern. Die LLL bleibt weltweit an vorderster Stelle, wenn es darum geht, die Bedürfnisse der Kinder zu vertreten.

Warum La Leche League auch heute noch kontaktiert wird
Heute sind sich praktisch alle Fachleute darüber einig, dass Stillen für Mütter und Babys das Beste ist. So hat sich auch, weltweit gesehen, die Haltung dem Stillen gegenüber grundsätzlich verändert. Gerade bei uns im westlichen Europa stellt sich die Frage, warum die LLL trotzdem noch nötig ist.

  • Trotz der theoretischen Anerkennung der Vorteile des Stillens ist unsere westliche Kultur nach wie vor nicht stillfreundlich. Die unausgesprochene Norm in den Köpfen der meisten Menschen, in den Medien und in der Werbung ist weiterhin das Füttern mit der Flasche.
  • Auch stillfreundlichen Fachleuten fehlt oftmals das praktische Wissen und die nötige Erfahrung, um eine stillende Mutter effektiv unterstützen zu können.
  • Stillen bedeutet eine lang dauernde Verpflichtung. Um sie durchzustehen, braucht eine Mutter Bestätigung und die Gemeinschaft mit anderen Müttern. Der Erfolg der LLL basiert darauf, dass sie sowohl vernünftige praktische Informationen, als auch warmherzige Anteilnahme und Unterstützung bietet. Auch über Generationen hinweg bleiben die Bedürfnisse von Kindern und Müttern dieselben, selbst wenn sich die äusseren Umstände gewaltig ändern. In einer Gesellschaft, in der eine zunehmende Individualisierung stattfindet, hat die LLL eine wichtige Aufgabe bei der Unterstützung von jungen Müttern.
  • In gewisser Weise war das Stillen in den Anfängen der LLL einfacher. Die meisten Mütter waren nicht berufstätig und zogen diese Möglichkeit auch nicht in Betracht. Der Druck auf heutige Mütter ist gross – sie sollten perfekte Mütter und Hausfrauen sein, dazu aber auch in der Arbeitswelt präsent bleiben. Das Leben ist komplexer geworden. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die Bedürfnisse eines Babys an erster Stelle kommen, und eine entsprechende Entscheidung braucht deshalb viel mehr Mut und Durchsetzungsvermögen als früher.
  • Junge Mütter wollen oder müssen heute vermehrt erwerbstätig bleiben. Sie sind oft nicht darüber informiert, dass das Stillen trotzdem möglich ist. Auch in diesem Fall bietet die LLL kompetente Hilfe und Unterstützung.

Das Ziel der LLL ist auch heute noch das Gleiche: Sie möchte Müttern durch das Stillen zu einer befriedigenden und erfüllenden Mutter-Kind- Beziehung verhelfen und damit gleichzeitig optimale Bedingungen für die körperliche und seelische Entwicklung der Kinder schaffen.

Dankes- und Gratulationsschreiben
Dieser Brief steht stellvertretend für alle dankbaren Mütter:
Mein Leben wurde so viel reicher durch meine Entwicklung, die ich der LLL verdanke. Ich habe nicht nur gelernt meine Kinder zu stillen, sondern wurde auch eine gute Köchin, die durch eine ausgewogene Ernährung die Gesundheit der ganzen Familie beeinflusst; ich habe gelernt Treffen zu organisieren, eine Gruppe zu leiten, habe mich fortgebildet, trotz Kleinkindern im Haus, und habe unzählige interessante Leute kennen gelernt. Ich habe Konferenzen besucht, wurde ausgebildete Fachfrau auf einem Gebiet, das es vor 20 Jahren noch gar nicht gab – und vor allem habe ich die Mutterschaft als wichtigste Leistung in meinem Leben schätzen gelernt!
Ich möchte euch danken für die Unterstützung, die ich dabei bekam, meine Babys und Kinder zu lieben, sie bei mir schlafen zu lassen, sie zu halten und ständig in meiner Nähe zu haben (auch wenn Experten mir versicherten, ich müsste mich „von ihnen lösen“) und ich durfte auch traurig sein, wenn wieder ein Loslassen fällig war. Ich danke euch, dass ihr mich gelehrt habt, die Welt durch die Augen des Babys zu sehen und zu begreifen, dass es normal ist, wenn mein Baby am liebsten bei mir ist und mich auch nachts braucht und dass ich seine spätere Unabhängigkeit fördere, indem ich jetzt auf seine Bedürfnisse eingehe. All dies wissen Mütter im Grunde ihres Herzens, aber die LLL ist nötig, um sie zu ermutigen, ihrem ureigenen Wissen und ihren Gefühlen zu vertrauen und die Angst davor zu verlieren, ihre Kinder zu „verwöhnen“.



Stellvertretend für die vielen Gratulationsschreiben von offiziellen Stellen und Fachleuten:
Die Gründerinnen der LLL haben mit ihrer Arbeit das Leben von Millionen von Müttern, Kindern und weiteren Familienmitgliedern positiv beeinflusst. Herzlicher Gratulation! Diese Frauen sind nach meiner Meinungen echte moderne Heldinnen, die mit ihrer grossen selbstlosen Arbeit die stärkste Frauen-Selbsthilfe-Gruppe der Welt begründet haben. Die Gründerinnen und mit ihnen Tausende von LLL-Stillberaterinnen, die gelernt haben, nach den gleichen Prinzipien zu arbeiten, haben damit die Babys ihren Müttern zurückgegeben. Ich persönlich bin stolz darauf, seit 40 Jahren mit den Gründerinnen und der ganzen LLL verbunden zu sein. Unsere ganze Familie, mit sechs Kindern und acht Enkeln hat aus ihrer Arbeit Nutzen gezogen. Ich hoffe und wünsche, dass die LLL so stark bleibt, damit weiterhin Mütter und Kinder auf alle Welt von den vielen Vorteilen des Stillens, und allem was damit zusammenhängt, profitieren können.
(Dr. Hugh D. Riordan, Präsident des „Center for the Improvement of Human Functioning International“, Inc.Wichita, Kansas)



Ein Schlusswort der Gründerinnen
Wie sieben Frauen möchten all denjenigen, die zum Wachsen der LLL beigetragen haben, unseren Dank aussprechen. Wer weiss, wie die LLL heute aussehen würde ohne die Unterstützung und Hilfe von zwei Ärzten, Dr. Herbert Ratner und Dr. Gregory White? Als Ärzte und Väter von gestillten Kindern waren sie 1956 eine Rarität. Immer wieder konnten wir von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung profitieren. Ohne sie wäre es uns viel schwerer gefallen, der Kritik und manchmal sogar Feindseligkeit der Ärzteschaft standzuhalten, die sich gegen zwei natürliche weibliche Funktionen richtete – die natürliche Geburt und das Stillen. Unsere eigene Begeisterung und die Überzeugung der Wichtigkeit dieser beider Funktionen für die Frauen, überlebte dank der zuverlässigen Rückendeckung durch diese zwei Ärzte. Sie unterstützten uns während der Zeit, als wir dies am nötigsten hatten. Wir sind ihnen zutiefst dankbar und wir danken ihnen auch im Namen aller stillenden Mütter, an die wir unser Wissen weitergeben konnten. Später haben auch andere mutige Ärzte und Ärztinnen unsere Arbeit unterstützt und ihr Wissen mit uns geteilt. Auch ihnen sind wir sehr dankbar.
An dieser Stelle möchten wir auch all den Tausenden von Frauen danken, die sich in den Jahrzehnten seit der Gründung als LLL-Stillberaterinnen oder Mitarbeiterinnen zur Verfügung gestellt haben. Ohne ihren Einsatz und ihre ungezählten Arbeitsstunden über all die Jahre würde die LLL nicht bestehen.
 
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