Stillen auf einen Blick

Die wichtigste Vorbereitung für das Stillen ist Information. Sehr viele Stillprobleme lassen sich vermeiden, wenn die Frau über die richtigen Informationen verfügt und zusätzlich eine kompetente Unterstützung erfährt.

Quelle: WirbelWind, Ausgabe 1/2004 "Rhythmus-Wechsel": Artikel "ABC des Stillens" von Denise Both


Dieser Artikel behandelt folgende Themen:


Die wichtigsten Punkte einer erfolgreichen Stillbeziehung lassen sich in wenige einfache Schlagworte zusammenfassen:

Bald stillen – oft stillen – uneingeschränkt stillen – keine Flüssigkeit oder andere Nahrung dazugeben (ausser in medizinisch begründeten Fällen).

Gute Information ist die beste Vorbeugung gegen wunde Brustwarzen, zu wenig Milch und andere Stillprobleme. Deshalb ist es entscheidend, dass sich die Eltern (nicht nur die Mutter!) bereits vor der Geburt möglichst gut übers Stillen und seine wichtigsten Grundlagen wie korrektes Anlegen und Ansaugen, das Prinzip von Angebot und Nachfrage, Stillen nach Bedarf informieren.
Hierzu bietet sich neben dem Lesen der entsprechenden Literatur (zum Beispiel Das Handbuch für die stillende Mutter der La Leche League oder Stillen – einfach nur stillen von Gwen Gotsch) der Besuch eines LLL-Treffens an. Dort treffen sich stillende Mütter nicht nur zum Kaffeeklatsch, sondern es gibt einen regen Erfahrungsaustausch und die werdende Mutter lernt in der Stillberaterin LLL eine kompetente Ansprechpartnerin kennen, auf deren Wissen und Erfahrung Sie vor und nach der Geburt zurückgreifen kann.

Aufs Stillen vorbereiten

In der Schwangerschaft verändert sich die Brust und bereitet sich darauf vor, das Baby zu ernähren. Die Brust wird grösser, die Brustwarze und der Brustwarzenhof werden dunkler und eventuell grösser, die Venen können deutlicher hervortreten. Oft wird die Brust auch berührungsempfindlicher, was manche Frauen daran zweifeln lässt, ob sie das Stillen überhaupt "ertragen" können. Es ist nicht notwendig mit besonderen Massnahmen in diese natürlichen Abläufe einzugreifen. Normale Körperhygiene und das Waschen mit klarem Wasser reichen aus. Ja, es ist sogar empfehlenswert auf Seife und Duschgel an der Brust zu verzichten, denn diese trocknen die Haut aus und machen sie anfälliger für wunde Brustwarzen.

Das vielfach empfohlene Abhärten der Brustwarzen ist nicht sinnvoll und die dazu immer wieder verbreiteten Tipps sind veraltet. Die Montgomerydrüsen, kleine Erhebungen am Brustwarzenhof, sondern eine pflegende und schützende Substanz ab, welche die Brustwarzen und den Brustwarzenhof vor Austrocknung und Abschuppung schützt. Daher sind Abhärtungsmassnahmen wie Rubbeln mit Frotteetüchern und dergleichen nicht sinnvoll, denn dabei würde diese Schutzschicht entfernt. Viele Frauen machen gar nichts zur Vorbereitung, andere finden es angenehm ihre Brust in den letzten Wochen der Schwangerschaft zu massieren. Als Grundregel gilt: "Seien Sie liebevoll mit ihrer Brust und tun Sie nichts, was Ihnen unangenehm ist."

Manche Frauen haben besonders flache Brustwarzen oder Brustwarzen, die sich nach innen zurückziehen, Flach- und Hohlwarzen, wie man diese nennt, können etwas mehr Vorbereitung verlangen. Stellt eine Frau fest, dass ihre Brustwarzen nicht hervortreten, ist es sinnvoll, sich an eine Stillberaterin zu wenden und mit ihr zu besprechen, welche Massnahmen für sie sinnvoll sind. In einigen Fällen hat sich zum Beispiel das Tragen von Brustwarzenformern bewährt.

Gute Stillhaltung und richtiges Saugen

Wenn möglich sollte die Mutter das Baby in der ersten Stunde nach der Geburt zum ersten Mal angelegen. Doch auch wenn dies nicht klappt, bedeutet es keineswegs, dass das Stillen schwieriger oder gar unmöglich wird.

Bereits beim ersten Anlegen sollte die Frau darauf achten, dass sie eine bequeme Haltung einnimmt, das Baby die Brust gut erfasst und korrekt ansaugt.

Die Mutter kann in verschiedenen Positionen stillen, doch eines haben alle Positionen gemeinsam: Die Frau muss sich dabei wohl fühlen, darf sich nicht verkrampfen und das Kind sollte mit seinem ganzen Körper der Mutter zugewandt sein. Ohr, Schulter und Hüfte des Kindes befinden sich in einer Linie, so dass das Baby den Kopf zum Trinken nicht drehen muss.

Ein richtig angelegtes Kind hat beim Erfassen der Brust den Mund weit geöffnet, nimmt einen grossen Teil des Brustwarzenhofes in den Mund, seine Nase und sein Kinn berühren die Brust der Mutter und seine Lippen liegen nach aussen gestülpt auf der Brust auf.

Eine gute Stillposition und korrektes Erfassen der Brust sind das A und O, um wunde Brustwarzen zu vermeiden. Diese entstehen nicht durch zu häufiges oder zu langes Stillen, sondern fast immer durch die Belastung, die eine schlechte Anlegetechnik mit sich bringt.

Nach Bedarf stillen

Das Baby sollte von Anfang an häufig und uneingeschränkt angelegt werden, immer dann, wenn es die Brust verlangt. Das beugt nicht nur Problemen beim Milcheinschuss vor, es führt auch dazu, dass das Kind von Anfang an lernt gut und effektiv an der Brust zu trinken, die Milchbildung optimal in Gang kommt und der Grundstein für eine problemlose Stillzeit gelegt wird.

Sollte der Milcheinschuss heftiger verlaufen, können häufiges Anlegen, Kühlen, eine Brustmassage und etwas Handausstreichen oder vorsichtiges Abpumpen Erleichterung verschaffen.

Kleine Babys wollen durchschnittlich zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an die Brust. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. Dabei ist es nun nicht unbedingt immer so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen:
Das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken und so weiter. Dieses Clusterfeeding ist absolut normal für kleine Babys. Vor allem am späten Nachmittag und Abend kommt es verstärkt zu solchen Phasen. Das Dauerstillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung bei der Mutter anregt und so dafür sorgt, dass die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht.

Das Baby gedeiht gut (bekommt genügend Milch), wenn:

  • es mindestens fünf bis sechs nasse Wegwerfwindeln hat [über 24 Stunden]. Diese Regel gilt aber nur für voll gestillte Kinder, die nichts ausser Muttermilch (kein Wasser, keinen Tee, Saft usw.) erhalten.
  • es in den ersten sechs Wochen täglich mindestens zwei bis vier Stuhlentleerungen hat (später sind seltenere Darmentleerungen normal).
  • seine durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme mindestens 110g pro Woche, ausgehend vom niedrigsten Gewicht, beträgt (mit zunehmendem Alter verringert sich die durchschnittliche Gewichtszunahme).
  • seine Haut eine gute Farbe und eine gute Spannung aufweist.
  • es in die Länge wächst und sein Kopfumfang zunimmt.
  • es in den Wachphasen aufmerksam und lebhaft ist.

Die Mutter kann sich in Häufigkeit und Dauer der Stillmahlzeiten von ihrem Kind leiten lassen. Wichtig ist, dass das Kind gedeiht und Mutter und Kind sich wohl fühlen. Stillen funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage: Je häufiger die Mutter anlegt, umso mehr Milch wird gebildet.

In bestimmten Alterstufen sind sogenannte Wachstumsschübe zu erwarten, in denen die Babys manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Klassische Zeiten für Wachstumsschübe sind zwischen dem siebten und vierzehnten Tag, zwischen der vierten und sechsten Woche und zwischen dem dritten und vierten Monat. Diese Phasen können dazu führen, dass die Frau fälschlicherweise glaubt, ihre Milch reiche nicht mehr aus. Doch wenn das Kind häufiger saugt, bildet die Mutter bald mehr Milch. Nach ein paar Tagen ist der Spuk meist vorbei und das Baby kehrt zu seinem früheren Rhythmus zurück.

Ausschliessliches Stillen

Von wenigen besonderen Situationen abgesehen, braucht eine gesundes, voll ausgetragenes Kind in den ersten sechs Monaten nichts anderes als die Milch seiner Mutter. Muttermilch deckt alle seine Ernährungsbedürfnisse ab und liefert – auch bei heissem Wetter – die in dieser Zeit benötigte Flüssigkeit.

Sollte es notwendig sein, dass das Baby ausnahmsweise zusätzliche Nahrung oder Flüssigkeit erhalten muss, kann eine Stillberaterin den Eltern bei der Wahl der geeigneten Fütterungsmethode helfen. Alternative Fütterungsmethoden (z.B. Becher oder Löffel) helfen, eine Saugverwirrung zu vermeiden.

Auch bei allen anderen Fragen und Sorgen rund ums Stillen ist eine Stillberaterin immer eine kompetente Ansprechpartnerin.


Die Informationen auf www.lalecheleague.ch beruhen nach bestem Wissen und Gewissen auf dem aktuellen Forschungsstand zum Stillen. Sie können jedoch keine ärztliche Diagnose und Therapie ersetzen.
Wenden Sie sich bei medizinischen Fragen und in Notfällen an eine medizinische Fachperson (Ärztin, Laktationsberaterin IBCLC).